
Vielleicht sitzt Du gerade mit einem Zettel voller Telefonnummern da, und mitten im Schmerz drängt sich eine Frage auf, die sich seltsam unpassend anfühlt: Was kostet das eigentlich? Du fragst Dich, ob Du Dir Unterstützung überhaupt leisten kannst – gerade jetzt, wo ohnehin schon alles zu viel ist. Diese Frage ist nicht respektlos gegenüber Deiner Trauer. Sie ist einfach menschlich. Und sie verdient eine ehrliche Antwort, ohne dass Du Dich dafür schämen musst.
Die Preise für Trauerbegleitung variieren stark, weil es in Deutschland keine einheitliche Regelung gibt. Bei freiberuflichen Trauerbegleitern liegt der Stundensatz meist zwischen 50 und 100 Euro, manche bieten auch Pauschalen für mehrere Sitzungen an. Ehrenamtliche Trauerbegleiter, wie sie über Hospizdienste vermittelt werden, sind dagegen häufig komplett kostenfrei oder arbeiten auf Spendenbasis.
Es gibt also keine einzelne Zahl, die Dir sagt, was Dich erwartet. Es gibt eine Spanne – von kostenlos bis etwa 100 Euro pro Sitzung. Wichtig ist, dass Du diese Spanne kennst, bevor Du das erste Gespräch führst, damit Du nicht überrascht wirst und auch nicht aus falscher Höflichkeit zu einem Angebot Ja sagst, das Du Dir nicht leisten kannst.
Ein großer Unterschied liegt darin, ob jemand ehrenamtlich oder hauptberuflich arbeitet. Ehrenamtliche Trauerbegleiter sind oft über Hospiz- und Palliativvereine ausgebildet und arbeiten ohne Honorar, weil ihre Tätigkeit Teil eines gemeinnützigen Angebots ist. Hauptberufliche Trauerbegleiter haben dagegen Ausbildungskosten, Praxisräume und Lebensunterhalt zu finanzieren, was sich im Honorar widerspiegelt.
Auch die Form der Begleitung spielt eine Rolle. Einzelgespräche sind in der Regel teurer als die Teilnahme an einer Trauergruppe, weil dort die Kosten auf mehrere Menschen verteilt werden. Manche Anbieter berechnen außerdem nach Dauer der Begleitung – ein einmaliges Gespräch kostet anders als eine mehrmonatige Begleitung mit wöchentlichen Terminen. Und nicht zuletzt unterscheiden sich die Preise auch regional, in größeren Städten liegen sie oft etwas höher als auf dem Land.
Hier kommt die unbequeme Wahrheit: Trauerbegleitung ist offiziell keine Heilbehandlung und wird deshalb in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Trauer gilt nicht als Krankheit, auch wenn sie sich manchmal genau so anfühlt. Das unterscheidet Trauerbegleitung von einer Psychotherapie, die bei einer diagnostizierten Depression oder einer Anpassungsstörung tatsächlich von der Kasse getragen werden kann.
Es gibt jedoch Ausnahmen, die Du kennen solltest. Wenn ein Hospizdienst die Begleitung anbietet, ist sie meist Teil eines geförderten Angebots und damit für Dich kostenfrei. Manche Bestattungsunternehmen bieten zudem im Rahmen ihrer Leistungen erste Orientierungsgespräche an, ohne dass dafür extra abgerechnet wird. Es lohnt sich also, beim Bestatter oder beim örtlichen Hospizverein direkt nachzufragen, bevor Du von vornherein annimmst, dass nichts für Dich bezahlbar ist.
Wenn Geld gerade besonders knapp ist, gibt es mehr Möglichkeiten, als viele Menschen wissen. Ambulante Hospizdienste bieten in fast jeder Region kostenlose Trauerbegleitung an, oft auch unabhängig davon, ob die verstorbene Person dort betreut wurde. Kirchliche Träger, egal ob Du gläubig bist oder nicht, haben häufig offene Trauergruppen, die niemandem verschlossen bleiben.
Auch Selbsthilfegruppen für Trauernde sind in vielen Städten kostenlos und bieten zumindest den Austausch mit Menschen, die Ähnliches durchleben. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar und vollständig kostenfrei, falls Du in einem akuten Moment einfach jemanden zum Reden brauchst. Diese Angebote ersetzen keine intensive Einzelbegleitung, aber sie können eine wichtige erste Anlaufstelle sein, bis Du den richtigen Weg für Dich gefunden hast.
Am Ende geht es nicht darum, das günstigste Angebot zu finden, sondern das, das zu Dir passt. Viele freiberufliche Trauerbegleiter sprechen offen über ihre Honorare und bieten auf Nachfrage auch ermäßigte Sätze an, wenn die finanzielle Situation es erfordert. Es ist vollkommen in Ordnung, das im ersten Gespräch direkt anzusprechen, ohne Dich dafür zu rechtfertigen.
Trauer kennt keinen Zeitplan und keinen festen Preis. Was zählt, ist, dass Du nicht alleine bleibst, wenn Du das nicht willst. Ob das eine kostenlose Gruppe ist, ein Gespräch mit der Telefonseelsorge oder eine bezahlte Einzelbegleitung – jeder dieser Wege ist ein gültiger erster Schritt.
Wenn Du gerade jemanden suchst der Dich durch diese Zeit begleitet, findest Du im Soralia-Verzeichnis Trauerbegleiter in Deiner Nähe.