Da war ganz viel Meer und noch viel Mehr.
Ein Learning auf jeder Ebene. Sowohl bezüglich Mantrailing, aber noch viel mehr, was die persönliche Entwicklung angeht.
5 Tage, die es absolut in sich hatten. 5 Tage, die mich gefordert und gefördert haben. Aber zurück an den Anfang.
Zunächst war da die Idee, der Mut, die Neugier, die Reise- und Abenteuerlust …
Als ich von dem Angebot erfuhr, dass eine schweizer Mantrailer-Schule an verschiedenen Orten Trainings anbietet und die nächste Reise Holland sein sollte, war ich gleich Feuer und Flamme. Endlich wieder Holland. Seit 10 Jahren war ich dort nicht mehr. Als ich noch im Rheinland lebte, machten wir oft die Ausflüge ans Meer. Das änderte sich mit dem Umzug an den Bodensee. Jetzt aber endlich die Gelegenheit, dazu die Möglichkeit unseren Anfänger-Status auszubauen. Dann der Mut gepaart mit der Neugier und die Lust auf Neues, neue Menschen und Reisen. Kurz nachgedacht und gebucht.
3 Monate später war es endlich so weit. Nach 850 km sind wir in Heemskerk angekommen. Erstes Erlebnis: Zum Meer waren es zu Fuß 1,5 Stunden, mit dem Auto 25 Minuten. Egal, ich wollte das Meer sehen, ich wollte Anton das Meer zeigen. Zweites Erlebnis: Parkplatz gefüllt mit gefühlt 1 Mio. Fahrrädern. In meinem Leben habe ich noch nicht so viele Fahrräder gesehen. Holland halt. 😉 Die Panik vor diesen Menschenmassen im Auge, fuhren wir wieder weg. Zum nächsten Ort. Dort war ein kleinerer Parkplatz, und oh Wunder – nein eigentlich wie immer – bekam ich den einzigen noch freien Parkplatz. Endlich Meer!!!
Den nächsten Tag machten wir uns dann auf per Fuß zum Meer, besagte 1,5 Stunden durch ein Dünenreservat. Wunderschön, aber halt schon echt weit. Egal. Wir verbrachten einen entspannten Tag.
Am Abend trafen wir dann die anderen der Truppe. 3. Erlebnis: 6 Schweizer und ich mittendrin, die nichts verstand. Alles, sehr liebe Menschen, das durfte ich die kommenden Tage erfahren. Ich erlebte eine Aufmerksamkeit, ein Miteinander, eine Hilfsbereitschaft, eine Gelassenheit und aufrichtiges Interesse füreinander. Einfach wunderbar.
Die nächsten Tage waren gefüllt mit Erkenntnissen, Erlebnissen und jeder Menge Learnings.
Erkenntnis 1: Anton und ich haben ein sehr schlechtes Fundament, was unser Wissen über Mantrailing angeht. Erkenntnis 2: Wir lernen viel, Dank Urs Muff, unserem Trainer. 3. Erkenntnis: Es gibt schlechte Tage. 4. Erkenntnis: Von Tag 1 bis Tag 5 erstaunlich viel gelernt. Nicht nur der Hund, vor allem ich. Ich habe gelernt meinen Hund besser zu lesen. 5. Erkenntnis: Es gibt Menschen, die haben null Verständnis, wenn Hunde, weil sie suchen, in fremde Vorgärten gehen und es gibt Menschen, die uns sogar Geschenke bringen, weil wir einen so wichtigen Job machen. 6. Erkenntnis … die mir sogar Gänsehaut bereitete: Am letzten Tag fiel es mir wie Schuppen von den Augen … Mantrailing ist so viel mehr, als eine nette Beschäftigung für Mensch und Hund. Hier geht es um Menschen und deren Leben. Mantrailing wird eingesetzt um demente Menschen zu finden. Tragisch dabei: Von 10 Menschen werden nur 1 bis 2 gefunden. Auch kommt es vor, dass Hunde bis zu 2,5 Stunden suchen und dann abbrechen, weil sie einfach nicht mehr können. Tage später liest man dann, dass die Person nur 100 m weiter gefunden, zu spät gefunden wurde. Damit muss man lernen umzugehen. Ich ziehe den Hut vor den Menschen, den Hunden und dieser Arbeit und bin sehr stolz Teil dieses Trainings zu sein.
Die 5 Tage sind rum und ich habe so wahnsinnig viel gelernt. Gelernt mich in einer Gruppe von Schweizern wohl zu fühlen (so lieb, wie sie mit den Tagen immer mehr darauf geachtet haben, Hochdeutsch zu sprechen – ich selbst habe aber auch immer besser verstanden), anzunehmen, dass auch schlechte Tage gut sind – weil man so einfach lernt–, alleine wieder eine Reise über mehrere hundert Kilometer gemacht zu haben, mich zurecht zu finden, nicht zu verzagen und zu wissen, dass jede Reise etwas Gutes für sich hat.
Ich bin wieder einmal wahnsinnig stolz auf mich und dankbar für diese Erfahrungen. Heute hatten wir einen wunderschönen 5. Tag, unseren letzten zusammen: Erstens hat Anton die beiden Trails mit Bravour bestanden, 2. Sind wir allesamt zum Abschluss an einen Strand und haben spontan dort unser Abendessen verbracht. Kaum zu glauben, dass die Tage schon rum sind.
Morgen werde ich einen letzten Tag am Meer verbringen und die letzten Tage Revue passieren lassen. In Ehrfurcht der Menschen gegenüber, die Mantrailing nicht als Beschäftigung sehen, sondern einen wirklich wichtigen Job machen. Ich wünsche mir, dass das in der Gesellschaft genauso ankommt.
Du hast einen Hund, suchst mehr als eine Beschäftigung, oder möchtest einen Urlaub mit Sinn und tollen Menschen verbringen, dann schau Dir die Website von Urs Muff an. https://mantrailer-dogschool.ch/
Ich kann es von ganzem Herzen empfehlen.